Gelnhäuser Tafel - Meldung lesen

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Wichtiger denn je

am 26.04.2017 in "Aktuelle Meldungen"

Gelnhausen (jad). Sie ist nicht mehr wegzudenken aus dem gesellschaftlichen Leben, obwohl sie dieser Gesellschaft selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellt: Die Gelnhäuser Tafel ist heute nötiger denn je, versorgt über 1000 Menschen mit Lebensmitteln, die sich diese sonst kaum leisten könnten. Am Freitag, 28. April, feiert der Verein ab 18 Uhr im Main-Kinzig-Forum sein zehnjähriges Bestehen.
Die Entwicklung der Gelnhäuser Tafel, die maßgeblich von Günther Rams, Michael Frischkorn und Walter Dreßbach ins Leben gerufen wurde, in den vergangenen Jahren ist enorm. Zunächst mit einer Ausgabestelle startend, hat sich der Verein bis heute fünf Standorte aufgebaut, denn die Nachfrage ist groß.
„Einem anderen etwas geben, was er braucht: ein Stück Brot, ein Lächeln, ein offenes Ohr“, lautet der Leitsatz, dem die Tafel in Gelnhausen seit ihrem Bestehen folgt. Dabei unterstützt sie vor allem Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen am Rande der Gesellschaft wiederfinden; Empfänger von Hartz IV und der Grundsicherung, Rentner mit Bezügen unter der Armutsgrenze sowie Asylbewerber.
„Mit unserem Angebot, Nahrungsmittel auszugeben, handeln wir zum einen nachhaltig und lindern zum anderen die wirtschaftliche Armut“, erklärt Claus Witte vom Vorstand der Tafel die Prinzipien, die dem Verein ans Herz gelegt sind. Das Stichwort „Helfen“ steht dabei ganz oben auf der Tagesordnung.
Bevor sich die Gelnhäuser Tafel vor zehn Jahren bildete, sahen die drei Gründer bereits voraus, dass es auch in der Barbarossastadt Bedarf gibt, eine Tafel zu etablieren. „Arme Menschen gab es schon immer und wird es auch in Zukunft geben“, sagte Witte.
Ihre erste Geschäftsstelle findet die Tafel im ehemaligen Geschäft Jeans-Fischer im Herzbergweg, eine Stelle für die Ausgabe in der alten Metzgerei Klimt in der Himmelauerstraße. „Wir konnten das Geschäft mieten und hatten dort dann auch die passenden Kühlzellen“, erinnert sich Vorstandsmittglied Bernhard Heller.
Mit Eigeninitiative und freiwilligen Helfern werden die beiden Gebäude hergerichtet, denn der Bundesverband Deutsche Tafeln hat strenge Richtlinien, was Hygienestandards angeht. „Als wir eröffnet haben, hatten wir rund 100 Helfer, die sich alle beteiligen wollten, da sie die Idee großartig fanden“, denkt Heller an die Anfangszeit zurück. Das Datum der ersten Ausgabe hat sich seitdem nicht nur in den Köpfen des Vorstandes verankert: der 4. Oktober 2007.
Montags, mittwochs, donnerstags und samstags hatte die Tafel zunächst geöffnet, um die Lebensmittelkörbe an ihre Kunden auszugeben. „Mittlerweile geben wir jeden Tag die Nahrungsmittel aus, außer Sonntag, da haben wir auch mal frei“, sagte Geschäftsführer Harry Koch augenzwinkernd. Aufgrund der großen Nachfrage – auch aus dem Umkreis – sehen sich die Verantwortlichen im Jahr 2008 nach passenden Außenstellen um. So finden sich heuer Ausgabestellen in Gelnhausen, Kassel, Hellstein, Lieblos sowie Somborn. 2012 zieht die Gelnhäuser Tafel in die Cassebeerstraße um. Geschäftsstelle und Ausgabe sind von nun an in einem Gebäude.
Jeder Kunde, der zur Tafel geht, hat einen festen Tag in der Woche, an dem er sich seinen hergerichteten Korb gegen einen geringen Obolus anholen kann. „Die Menge der Ware und auch der Obolus berechnen sich anhand der Personen in einem Haushalt“, erläutert Koch und ergänzt: „Jeder bekommt an seinem festen Tag genau dasselbe wie die anderen. Niemand wird bevorzugt oder ungerecht behandelt.“
Mit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 seien auch die Zahlen bei der Gelnhäuser Tafel gestiegen. „Wir haben derzeit einen Nachfragestopp“, führte Witte auf. „Natürlich kamen vermehrt auch Flüchtlinge zu uns. Wir machen aber keine Unterschiede zwischen der Herkunft. Wir helfen jedem.“ Deshalb habe man jedoch keine anderen Kunden zurückgewiesen. Wer schon Kunde war, sei es auch geblieben. Neuanfragen wurden der Reihenfolge nach aufgenommen.
Einige der Flüchtlinge helfen fleißig mit beim Sortieren der Lebensmittel, der Ausgabe und den Arbeiten, die sonst noch anfallen, wie das Aufräumen der Räume. „Wir verstehen uns super und leisten richtige Integrationsarbeit“, freut sich Witte. Auch Deutsch bringe man den neuen Mitbürgern bei. „Viele der Ehrenamtlichen waren früher einmal Dozenten oder Lehrer“, sagt er.
Ein Problem sei jedoch, resümiert Witte, dass es zunehmend schwieriger werde, junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. „Wir sind fas nur Rentner, die das hier betreiben. Wir sind aber immer auf neue Menschen angewiesen, die Freude am Ehrenamt haben.“ Auch wenn man nur einmal im Monat Zeit habe, sei das schon ausreichend.
Derzeit verzeichnet der Verein 596 Mitglieder, von denen sich 360 aktiv einsetzen. Für die fünf Standorte sammeln sie wöchentlich rund sechs Tonnen noch verwertbarer Lebensmittel für etwa 1200 Kunden mit über 350 Kindern und Jugendlichen.

GNZ (22. April 2017)

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