“Eigentlich ist es traurig, dass sowas gebraucht wird”
Neue Ausgabestelle der “Gelnhäuser Tafel” in Kassel - Suche nach Helfern und Sponsoren
BIEBERGEMÜND (mw). Die “Gelnhäuser Tafel e.V.” wurde im letzten Jahr gegründet. Ziel der Initiative ist es, gesunde Lebensmittel, die im Überfluss vorhanden sind und nicht mehr verwendet werden können, an Menschen zu verteilen, die sich aufgrund ihrer Einkommenssituation nicht mehr ausreichend versorgen können. Nun wurde in Kassel die dritte Ausgabestelle der Tafel in den ehemaligen Verkaufsräumen der Firma Link und Becker eröffnet. Die Geschichte der “Gelnhäuser Tafel” liest sich wie eine Erfolgsstory. Die 46 aktiven Mitglieder zur Zeit der Gründung am 26. April 2007 sind mittlerweile auf über 450 angewachsen. Anfangs wurden etwa 94 Kunden einmal in der Woche mit frischen und gesunden Lebensmitteln versorgt, inzwischen sind es über 1100 Menschen, die an sechs Ausgabetagen pro Woche ihr Lebensmittelpaket erhalten. Doch diese Zahlen geben eher Grund zur Sorge und Nachdenklichkeit. Immer mehr Menschen in Deutschland, das zu einem der reichsten Länder der Erde gehört, sind nicht mehr in der Lage, sich mit gesundem Essen zu versorgen.
Zur Eröffnung der “Gelnhäuser Tafel” in Biebergemünd waren zahlreiche Unterstützer und Ehrengäste gekommen, die sich einig waren, dass dieser Zustand kein Grund zur Freude ist. Peter Radl vom Landesverband “Die Tafeln” kritisierte in seiner Eröffnungsrede die verfehlte Sozialpolitik der Bundesregierung, die zu sieben Millionen Hartz-IV-Empfängern geführt habe. Um diese Not in Kassel zu lindern, werden Harry und Marion Koch die Leitung der Ausgabestelle übernehmen, die seit der Gründung der Tafel aktiv dabei sind und wertvolle Erfahrungen mitbringen. 15 Sponsoren unterstützen die Tafel. Zwölf Tonnen pro Woche sind es momentan, die täglich mit fünf Kühlfahrzeugen bei den Sponsoren abgeholt und am nächsten Tag an bedürftige Menschen verteilt werden. Doch wenn die Anzahl der Kunden weiter steigt, was zu erwarten sei, werde diese Menge schon bald nicht mehr ausreichen. “Wir leisten Hilfe, können aber keine Vollversorgung bieten”, betonte Günther Rams vom Vorstand der “Gelnhäuser Tafel”. Auch weitere aktive Mitglieder werden händeringend gesucht. “Wir brauchen ehrenamtlich helfende Hände”, so Rams. Auch er sprach seinen Dank an alle Sponsoren, Unterstützer und aktiven Mitglieder der Tafel aus.
“Eigentlich ist es traurig, dass sowas gebraucht wird”, betonte Bürgermeister Thomas Dickert in seiner Rede. In Biebergemünd leben zwar vergleichsweise wenig Hartz-IV-Empfänger, doch dass Hilfe notwendig sei, davon ist die Gemeinde überzeugt. Dickert ist von Beginn an Mitglied der “Gelnhäuser Tafel e.V.”. Die Gemeinde stellt die Räume, die von der Firma Link und Becker sehr günstig angemietet werden konnten, kostenlos zur Verfügung. Der Bürgermeister sprach den Wunsch aus, “dass sich niemand schämt, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen.”
GT 20.10.08

